Leseprobe

Mit einem Lächeln geht alles besser

Wer nicht alles bierernst nimmt, hat es im Leben einfach leichter!
Lotte Brügmanns heitere Gechichten sind der beste Beweis:
Direkt aus dem Leben gegriffen, präsentieren sie alltägliche und ungewöhnliche Begebenheiten, drollige Missgeschicke und liebenswerte Schwächen der Mitmenschen
- manchmal nachdenklich, aber immer mit einem Augenzwinkern und einem kräftigen Schuss Humor.

Für die hier folgenden Textauszüge liegen die Urheberrechte bei der Autorin, jede Weiterverwendung oder Kopie ist nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin oder des respektiven Verlags erlaubt.    

Hier nun eine Leseprobe aus "Lächeln ist wie Sonnenschein":




Die Umwelt erzieht mit

Bernd Bauer ist sechzehn. Sein Hobby: Sammeln von Biergläsern mit Brauereiemblemen.
Sein Stolz: Fast alle norddeutschen Brauereien hat er bereits in seinem Regal vereint.
Eines Tages macht die Familie Bauer einen Deutschlandtrip. Als erstes wird Köln angefahren und natürlich der Dom besucht.

Nach der Besichtigung geht es in Domnähe in ein kleines Lokal zum Mittagessen. Vater Bauer bestellt sich dazu ein "echtes Kölsch". Bernd bekommt große Augen. Das Bierglas trägt ein aufwendiges Brauereiemblem. Das Sammelfieber packt ihn.

Als der Vater sein Bier ausgetrunken hat, streckt Bernd vorsichtig die Hand aus und manövriert das Glas zu sich heran. Unauffällig öffnet er seine Tasche und schaut sich sichernd nach allen Seiten um. Vater Bauer, der immer großen Wert darauf legt, seine Kinder zu ehrlichen, anständigen Menschen zu erziehen, ahnt, was sein Sohn plant und zischt ihn empört an: "Das kommt überhautpt nicht in Frage! In unserer Familie wird nicht gestohlen! Du läßt das Glas stehen, wo es steht:"

"Aber Vati, ich stehle doch nicht, ich sammle doch bloß!" versucht Bernd noch etwas zu retten.
"Red keinen Unsinn!" schimpft der Vater:"Seit wann nennt man es sammeln, wenn man etwas mitnimmt, was einem nicht gehört?"
"Schau mal, Vati, das ist so ein tolles Glas, das bekomme ich zu Hause nie!"
"Wenn du es unbedingt haben willst, dann kaufe es. Du hast Taschengeld genug. Der Wirt muß die Gläser ja schließlich auch bezahlen."

Schweren Herzens entschließt Bernd sich, das Verbot des Vaters zu akzeptieren.
Er wartet ab, bis der Vater die Rechnung beglichen hat, und bittet dann die Kellnerin: "Ich hätte dieses Glas gern erworben. Wie teuer ist es?" Die Kellnerin zuckt bedauernd die Achseln.
"Tut mir leid, aber ich darf es Ihnen nicht verkaufen." Und während sie sich näher zu Bernd hinabbeugt: "Warum haben Sie es denn nicht einfach eingesteckt? Hier werden so viele Gläser mitgenommen, daß wir keine mehr verkaufen dürfen, um unseren Ausschank nicht zu gefährden."

Bernd wirft dem Vater einen unmißverständlichen Blick zu. Der seufzt genervt auf. Manchmal es es eben doch schwer, die Erziehung zu Anstand und Ehrlichkeit mit der herrschenden Moral in Einklang zu bringen!





Warum der Igel Ohnearg seine Stacheln bekam (aus: "Das Sternenenglein")

"Nun, hast du noch Lust zum Reisen oder möchtest du lieber einmal eine Nacht in deinem Bettchen bleiben?" erkundigte sich das Glühwürmchen, als es sich auf Brigittes Bettpfosten niederließ.

"Aber nein, ich schlafe doch am Tage genug, ich hab schon so auf dich gewartet!" entgegnete Brigitte und schwang sich hinter das Laternchen.

"Schau, ich habe auch eine Überraschung für dich!" verkündete Leuchtefein, als Brigitte sich auf ihrem Pilz niedergelassen hatte. Auf einem grünen Blatt hielt es ihr eine rotleuchtende Himbeere hin. "Oh, schmeckt die gut!" Brigitte leckte sich das Mündchen. "So etwas Schönes habe ich noch nie gegessen."

Unternehmungslustig schaute sie sich um und entdeckte ein Tier, das sie mit kleinen schwarzen, blanken Augen aufmerksam anblickte. Es hatte einen ganz spitzen Kopf und lange dunkle Haare.

"Du gefällst mir!" Brigitte sprang von ihrem Pilz herunter und eilte auf das unbekannte Tier zu, um es zu streicheln.

"Halt!" schrie da das Glühwürmchen laut, und Brigitte erschrak nicht schlecht. Blitzschnell hatte das Tier sich zu einer runden Kugel zusammengerollt und seine dicken Haare zu spitzen Stacheln aufgerichtet.

"Das ist aber ein böses Tier!" schimpfte Brigitte ganz enttäuscht.

Aber Leuchtefein schüttelte den Kopf.

"Das ist ein Igel, das friedfertigste Tier von der Welt! Als die Tiere bei ihrer Erschaffung auch ihre Eigenschaften zugeteilt bekamen, wollte der Igel weder Kraft noch Mut, weder Angriffslust noch Listigkeit.

'Ich will niemanden etwas zuleide tun' sagte er, 'und wenn ich niemanden bedrohe, dann wird auch mir niemand etwas tun. ' Die anderen Tiere warnten ihn. Es gibt auch unter den Tieren nicht nur gutmütige, sondern auch solche, die die Wehrlosigkeit anderer ausnutzen.

Aber unser Igel glaubte fest an die ansteckende Wirkung seiner Friedfertigkeit. So streifte er zufrieden durch die Wälder, so weit ihn seine kurzen dünnen Beinchen trugen. Bald war ihm der Fuchs auf den Fersen. Wäre ihm nicht zufällig ein kleiner, noch ziemlich dummer Hase vor die Pfoten gelaufen, so hätte unser Igel schon recht bald sein friedliches Leben beendet.

Eines Tages begegnete ihm ein Dachs. Das hübsch gestreifte Fell des Tieres gefiel dem Igel, und er sprach ihn freundlich an, denn obwohl Igel viel allein leben, brauchen sie wie alle Wesen auch Freunde.

Der Dachs aber, der gerade sehr hungrig war, schnalzte mit der Zunge: "Du kommst mir zum Frühstück gerade recht!"

Der Igel glaubte, nicht richtig gehört zu haben: "Du, ich bin ein friedliebendes Tier! Ich tue dir nichts, also tu mir bitte auch nichts!"

"Wenn du dich nicht freiwillig fressen lassen willst, warum wehrst du dich dann nicht?" lachte der Dachs und kam dem kleinen Igel immer näher.

Da war guter Rat teuer! Wie sollte der Igel, der nichts als seinen guten Willen besaß, den großen Dachs abwehren können?

"Lieber Gott, hilf du mir!" flehte der kleine Igel laut in seiner Not. Da ließ der liebe Gott die dicken Haare des Igels zu spitzen Stacheln werden, an denen sich der Dachs so sehr die Schnauze zerstach, dass er klagend davonschlich.

Der Igel aber war ganz traurig. "Ich wollte doch gar keine Stacheln haben und nie ein anderes Tier verletzen. Warum lässt man mich nicht in Ruhe?"

‚Nun, du hast deine Stacheln ja auch nicht, um andere anzugreifen’, beruhigte ihn die Taube, aber wer wehrlos ist, reizt sehr oft das Böse zum leichten Angriff. Du wirst sehen, schon die Tatsache, dass du Stacheln hast, wird dir deine Ruhe in Zukunft garantieren.’

Seither rollt sich der Igel ein , wenn jemand in seine Nähe kommt und stellt seinen Schutzschild auf, und niemand riskiert mehr, ihn anzugreifen."

Brigitte ließ das Köpfchen hängen. "Schade, ich mag den Igel nämlich. Kannst du ihm nicht sagen, dass ich ihm nie etwas tun würde?"

Das Glühwürmchen flog zu dem Igel und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Da legten sich die Stacheln eng an den Körper , und der Kopf mit den klugen Äuglein wandte sich Brigitte zu.

"Ich freue mich, dass du meine Freundin sein möchtest. Ich mochte dich nämlich auch gleich, als ich dich sah. Wenn es dir recht ist, werde ich dich im Spätherbst besuchen, und du kannst mir dann im Keller ein Winterlager bereiten. Aber stell mir bitte keine Milch hin, wie die Menschen es oft im guten Glauben tun. Die bekommt mir nämlich gar nicht."

Brigitte klatschte vor Freude in die Hände und erwiderte: "Ich freu mich auf deinen Besuch! Du sollst alles so vorfinden, wie du es haben möchtest!"

Und als sie später auf ihrem Glühwürmchen heim flog, war sie sehr glücklich. Sie hatte einen Freund gefunden.





Alt sein (aus: "Wie schillernde Falter")

Ihr meint, ich sei alt?
Was wisst denn ihr
von den Plänen,
die ich noch schmiede,
von den Ideen,
die noch in mir reifen,
von den Hoffnungen,
die ich noch hege,
von dem Wissensdurst,
der mich noch quält
und den Träumen,
die ich noch träume?
Erst, wenn ich nur
in Erinnerungen schwelge,
erst, wenn ich keine Träume
mehr habe,
erst dann bin ich alt.





Der Blitz aus heiterem Himmel (aus: "Fröhlich geht's besser")

Forschergeist ist nicht zu bremsen. Da hatte Professor Klug lange Zeit Gene manipuliert, nun endlich stand es da – das multilaterale Tier: der Körper des Schafs, die Beine der Gazelle, der Kopf des Rehs, die Nase des Schäferhundes, die Augen vom Luchs und der Schweif vom Pferd.

Stolzgeschwellt stellte er es einer Journalistengruppe vor. Die betrachtete das Monstrum etwas irritiert und einer fragte: "Welche Bedeutung soll dieses Lebewesen haben? Alles in der Schöpfung hat doch seinen Sinn und seine Aufgabe wie jedes kleine Rädchen in einem Räderwerk?"

Professor Klug wehrte ab. "Gehen Sie mir los mit der Schöpfung! Die ist doch völlig stümperhaft und unvollkommen! Dieses Tier hat lediglich die Bedeutung eines Tests. Mit ihm beweise ich, dass es möglich ist, jedes körperliche Merkmal, jede geistige Fähigkeit durch Gene von einem Lebewesen auf ein anderes zu übertragen,. Und damit komme ich zu meinem eigentlichen Anliegen:

Sehen Sie, die Tiere sind ja noch einigermaßen für ihre Funktion ausgerüstet, aber der Mensch? Seine Veranlagungen sind doch völlig chaotisch, selten entsprechen seine Fähigkeiten hundertprozentig seinem Job. Zum Beispiel müssen sich Polizisten und Fahnder noch eines Hundes bedienen, um fündig zu werden. Mit den Genen des Tieres versehen, werden sie künftig selber schnüffeln können. Taucher mit Delphingenen werden sich wie ein Fisch im Wasser bewegen, Beamte mit dem Gen der Bienen keine Witzblattfiguren mehr sein, sondern emsig von morgens bis abends schaffen, Arbeiter mit dem Gen der Ameisen werden malochen und keinen Gedanken mehr an Demonstrationen und Streiks verschwenden.

Möbelpacker schaffen ihr Tagewerk künftig leichter mit dem Gen des Bären, Händler erhalten die Listigkeit des Fuchses und Diplomaten die Doppelzüngigkeit der Schlange eingepflanzt, und alle diese Prototypen werden zigtausendfach geklont. Dann haben wir die verbesserte Menschheit und damit die vollkommene Schöpfung! Und ich werde der größte Schöpfer aller Zeiten sein."

– In diesem Moment zuckte ein Blitz aus heiterem Himmel und erschlug den Professor. Soviel Überheblichkeit lässt der Herrgott sich eben doch noch nicht gefallen!





Klönsnack (ut: "Wat schast dorto seggen?")

Line Hansen keem jüst ut den Hökerladen,as Anna Groth ehr över den Weg leep.

"Nee, Line, wo geiht di dat", keem Anna glieks up ehr to, "wi hebbt uns jo lang ni sehn!"

"Ach, mi geiht dat nich so doll",süüfz Line,,ik heff dat so up de Bost, kann mien Hosten ni los warrn!"

"Du, dor wees man vörsichtig mit, Mette Meiers hett ok so lang bellt as een Köter. Güstern hebbt se ehr in’t Krankenhuus bröcht!"

"Mette? De is doch sülben schuld, de hett doch smökt as een Sloot!"

"Dorför will ehr Mann aver nu das Smöken upgeven!"

"Peter? Un das glöwst du? Dat vertellt he all siet dre Johrn, blots dor kümmt nix na!"

"Jo, höört wull mehr Energie to, as he upbringen kann!"

"Dorvon hett Broder Brodersen meist toveel, so veel, dat he sien Fru jede Week eenmol verjaxt! Güstern leep Dora all wedder mit een Sünnenbrill rüm, wiel dat se een blauet Oog harr!"

"Ik weet ok nich, worüm Dora noch jümmer bi em uthöllt. Ik weer all lang weg!"

"Mag se wull nich wegen Heiner!"

"De Jung? Dat is doch genau so een Slöpendriver as sien Vadder! Dor hett se doch keen Help an!"

"Jo, dor hett Marie Peters dat anners mookt. Hest nich höört, de is ehrn Mann weglopen!"

"Nee, worüm dat denn?"

"He weer all mol wedder fremdgahn, dor hett se de Nees vull harrt! Schull’n mol all de Fruunslüüd moken, wo de Kerls ut Huus fröhstücken"

"Na, jümmers sünd de Mannslüüd ok nich alleen schuld! Vun Jens Jensen kann ik dat verstahn,dat he sick een lütt Smusebüdel besorgt hett.Sien Fru is doch so watt vun Rasppelsnut un treckt över jedereen in’t Dörp her!"

"Jo, dor hest du recht! Wenn ik wat up den Dod nich utstahn kann,denn sünd dat Minschen, de över anner Lüüd sludert!"





Wat du nich wullt... (ut: "Lütt beten Sünnschien")

Jan Fedders weer up den Weg na Huus vun sien Dagwark un wull gau noch wat inköpen in den Supermarkt. As he dor ankeem, seeg he, dat dor een lütten Köter anbunnen weer. Sien Herr or Fru weer wull ok jüst noch wat inköpen. He wull eben ringohn, dor keem dor een Jung an, viellicht so veertein or fofftein Johr, de bleev vör den Köter stahn.

Jan bleev ok stahn, he wull mol sehn, wat dor vör sick güng. Mit eenmol pedd de Jung dat Deert mit sien Foot in’ne Siet. De Hund jaul luut up vör Wehdag.

Jan güng up den Jung to un sä: "Wat schall dat? De Köter hett di doch nix doon,worüm sleihst du em?"

De Sleef truck de Schullern hoch:" Weet nich, harr’k jüst Lust to!"

Jan Fedders hool ut un gev em een ornlichen Backs.

De schreeg em fünsch an:" Hei, Se dörv mi nich slaan, dat is verboden! Ick heff se doch nix dahn, worüm maakt Se dat!"

Jan truck de Schullern hoch:"Weet nich, harr’k man jüst Lust to!"